Aktien, Gold oder … Rolex Submariner
150 Dollar kostete eine Submariner bei ihrer Einführung. Wer das Geld stattdessen angelegt hätte, säße heute auf einem sechsstelligen Betrag. Die Zahlen sind eindeutig — ob die Uhr ihr Geld wert war, sagen sie nicht.
1954 stellte Rolex auf der Basler Uhrenmesse die Submariner vor. Sie kostete 150 Dollar — eine Taucheruhr, Werkzeug für Berufstaucher, kein Schmuckstück.
Seitdem sind die Preise in den Vereinigten Staaten auf das Zwölffache gestiegen. Dieselben 150 Dollar, nur inflationsbereinigt, wären heute 1.800. Eine neue Submariner kostet 10.050 Dollar, das steht so auf rolex.com.
Die Frage, die daraus jeder macht: War die Uhr die bessere Anlage? Sie lässt sich stellen, und ein Teil davon lässt sich beantworten. Der andere nicht — dazu am Ende.
Ein Hinweis vorweg
Auf dieser Seite steht sonst unter jeder Zahl, woher sie kommt. Bei diesem Artikel geht das nur zur Hälfte.
Der heutige Listenpreis ist belegt: Rolex veröffentlicht ihn selbst. Der Einführungspreis von 150 Dollar ist es nicht — er taucht in der Sammlerliteratur und auf Händlerseiten übereinstimmend auf, aber eine Primärquelle dafür haben wir nicht gefunden. Liegt der wahre Preis bei 120 oder 180 Dollar, verschieben sich alle Vergleichszahlen dieses Artikels um ein Fünftel nach unten oder oben — an der Größenordnung ändert das nichts.
Die Preise der Jahrzehnte dazwischen stammen sämtlich von Händlern, ohne Quellenangabe und teils widersprüchlich.
Deshalb zwei Regeln für diesen Artikel: Die Zahlen in den Kennziffern oben stammen ausschließlich aus dem belegten Listenpreis, dem Einführungspreis und unseren eigenen Kurs- und Goldreihen. Die Zwischenwerte stehen weiter unten in einer eigenen Tabelle, jede Zeile mit Quelle und Kennzeichnung. Sie illustrieren, sie belegen nichts.
Was die Uhr wert sein müsste
Vier Wege für dieselben 150 Dollar von 1954. Die Skala ist logarithmisch — anders wäre der erste Balken nicht mehr zu sehen.
Damit die Uhr das Geld geschlagen hätte, müsste sie heute 242.819 Dollar bringen. Gegen Gold reichen 14.143. Und der dritte Balken ist der Witz an der Sache: Eine neue Submariner kostet heute ungefähr so viel, wie Gold aus dem Kaufpreis von damals gemacht hätte — und rund 4 % dessen, was Aktien daraus gemacht hätten.
Wie teuer die Uhr selbst geworden ist
Der Listenpreis einer neuen Submariner, umgerechnet in Geld von heute. Der Punkt rechts ist belegt — Rolex veröffentlicht ihn selbst. Die hohlen Punkte davor sind Händlerangaben ohne Quelle, die Linie zwischen ihnen ist deshalb gestrichelt.
| Jahr | Listenpreis | in Geld von heute | Beleg | Quelle |
|---|
Der Verlauf ist stimmiger als seine Einzelwerte. Real war die Uhr Mitte der Siebziger billiger als bei ihrer Einführung. Danach explodierte der Preis — zwischen den beiden Punkten von 1975 und 1985 liegen rund 11 % reale Steigerung pro Jahr — und seit 2008 flacht er ab, zuletzt auf unter einem Prozent. Das passt zur bekannten Geschichte: erst die Quarzkrise, dann die Neupositionierung vom Werkzeug zum Statusobjekt. Es ist ein plausibles Bild — aber es steht auf den hohlen Punkten, nicht auf den belegten.
Was diese Rechnung nicht kann
Bis hierher ging es um neue Uhren: was eine Submariner 1954 im Laden kostete und was sie heute im Laden kostet. Das sind Listenpreise, die kann man nachschlagen.
Die Frage, die eigentlich alle stellen, ist eine andere: Was bringt eine Uhr von 1954, wenn ich sie heute verkaufe? Darauf gibt dieser Artikel keine Antwort — und zwar deshalb:
Eine Preisreihe für gebrauchte Submariner gibt es nicht. Was im Netz steht, kommt von Händlern. Die verkaufen selbst, legen nicht offen, wie sie rechnen, und ihre Angaben widersprechen sich. Auktionsergebnisse sind zwar öffentlich, aber jede versteigerte Uhr ist ein Einzelstück — andere Referenz, anderer Zustand, anderes Zifferblatt, andere Vorgeschichte. Was ein Sammler für eine bestimmte Uhr gezahlt hat, sagt über die nächste wenig.
Deshalb steht hier der Betrag, den die Uhr bringen müsste, und keine Antwort. Ausrechnen lässt sich nur die eine Hälfte. Die andere — was die Uhr im Schrank tatsächlich wert ist — muss jeder für sein eigenes Exemplar nachsehen.
Vier Dinge fehlen außerdem in fast jeder Rolex-Rechnung, die man irgendwo liest:
Erstens: Man sieht nur die Überlebenden. Die Uhren, die für sechsstellige Summen versteigert werden, sind die makellos erhaltenen mit Originalzifferblatt und Papieren. Die verkratzten, die polierten, die mit getauschtem Werk und die verlorengegangenen tauchen in keiner Statistik auf. Wer den Auktionspreis als Rendite liest, rechnet mit den Gewinnern einer Auswahl, die er nicht kennt.
Zweitens: Eine Uhr kostet laufend Geld. Was siebzig Jahre läuft, wurde alle paar Jahre gewartet. Dazu Versicherung und sichere Aufbewahrung. Ein Wertpapierdepot kostet davon nichts — und Gold im Schließfach immerhin weniger.
Drittens: Beim Verkauf geht etwas ab. Zwischen dem Preis, den ein Händler zahlt, und dem, den er verlangt, liegen üblicherweise zwanzig bis dreißig Prozent. Der Preis im Schaufenster ist nicht der Preis, den der Verkäufer bekommt.
Viertens: Aktien zahlen Dividende, die Uhr nicht. Von den 7,15 % realer Aktienrendite pro Jahr stammt ein erheblicher Teil aus wiederangelegten Ausschüttungen. Eine Uhr schüttet nichts aus. Sie kann nur teurer werden — oder nicht.
Was daraus folgt
Die Submariner war ein gutes Stück Sachwert und ein schlechtes Wertpapier. Als Produkt hat sie sich real auf das 5,6-Fache verteuert, 2,4 % pro Jahr — das ist fast genau das, was Gold im selben Zeitraum abgeworfen hat. Für einen Gebrauchsgegenstand, den man siebzig Jahre tragen kann, ist das bemerkenswert.
Als Geldanlage gemessen sieht es anders aus. Wer die 150 Dollar 1954 in Aktien gesteckt hätte, säße heute auf 242.819 Dollar. Der Listenpreis einer neuen Submariner entspricht 4 % davon. Damit die Uhr mitgehalten hätte, müsste ein Exemplar von 1954 heute einen sechsstelligen Betrag bringen — und zwar netto, nach Händlerspanne und nach siebzig Jahren Wartung.
Das ist nicht ausgeschlossen. Für frühe Referenzen in gutem Zustand werden solche Summen tatsächlich aufgerufen. Nur ist das dann ein bestimmtes Exemplar, kein Index — und die Rechnung gilt für die eine Uhr, die durchgekommen ist, nicht für die Anlageklasse. Der Unterschied zwischen „diese Uhr hat sich gelohnt" und „Uhren lohnen sich" ist genau der Unterschied, den dieser Artikel nicht überbrücken kann.
Grenzen dieser Rechnung. Alle Beträge in US-Dollar; für einen deutschen Käufer käme der Wechselkurs hinzu. Aktien als S&P-Composite-Reihe mit wiederangelegten Dividenden, Gold als Jahresdurchschnitt des USGS — beide auf Jahreswerten von 1954 bis 2025, während der Uhrenpreis von rolex.com den Stand 2026 hat. Ohne Steuern und Kosten auf allen Seiten. Der Goldwert für 2025 ist eine Schätzung des USGS aus den Monaten Januar bis November.
Quellen und Methode
- Listenpreis der Submariner, Ref. 124060 und 126610LN — www.rolex.com/en-us/watches/submariner/all-models
- Aktienkurse, Dividenden und US-Verbraucherpreisindex, Standard-and-Poor's-Composite-Reihe von Robert J. Shiller — shillerdata.com
- Goldpreis, Jahresdurchschnitte, USGS Data Series 140 und Mineral Commodity Summaries 2026 — pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-gold.pdf
- Einführungspreis und Preisangaben der Zwischenjahre, Bob's Watches — www.bobswatches.com/rolex-blog/history-of-time/rolex-submariner-price-history.html
Verglichen wird der Listenpreis einer neuen Submariner mit dem, was derselbe Betrag in Aktien oder Gold geworden wäre. Aktien als S&P-Composite-Gesamtrendite inklusive wiederangelegter Dividenden, Gold als Jahresdurchschnitt, beide auf Jahreswerten 1954 bis 2025. Reale Werte mit dem US-Verbraucherpreisindex. Der heutige Listenpreis stammt von rolex.com, Stand 2026. Der Einführungspreis von 150 Dollar ist in der Sammlerliteratur übereinstimmend genannt, aber nicht durch eine Primärquelle belegt; die Preisangaben der Zwischenjahre stammen von einer Händlerseite ohne Quellenangabe und sind im Artikel als unbelegt gekennzeichnet. Sie gehen in keine der genannten Kennzahlen ein.
Eigene Berechnung · Stand September 2026 · zuletzt geändert 2026-09-28 · wie hier gerechnet wird