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Börsendaten seit 1871 · nachgerechnet, nicht nacherzählt

Anlagen im Vergleich

Gold verliert in 6 von 10 Jahrzehnten

Über 125 Jahre ist Gold vor allem eine Anlage, die lange nichts einbringt — und in wenigen Jahren sehr viel. Wann diese wenigen Jahre kamen, und wofür die Zahlen blind sind.

Gold real seit 1900
+1,1 % p.a.
Aktien dagegen
+6,8 % p.a.
Jahrzehnte im Minus
68 von 116
Gold seit 2000
+7,6 % p.a.

Gold gilt als das, was übrig bleibt, wenn alles andere fällt. Für den Normalfall sagen die Zahlen etwas anderes.

Zwischen 1900 und heute liegen 116 vollständige Jahrzehnte: 1900 bis 1910, 1901 bis 1911, und so weiter bis 2015 bis 2025. In 68 davon hat Gold real verloren, also nach Abzug der Inflation. Bei Aktien sind es 17. Über den ganzen Zeitraum bringt Gold 1,1 % pro Jahr, der amerikanische Aktienmarkt mit Dividenden 6,8 %.

Nur stammt die halbe Rechnung aus einer Zeit, in der es gar keinen Goldmarkt gab.

Die halbe Geschichte ist gar kein Markt

Bis in die Sechziger war der Goldpreis kein Preis, sondern eine Vorschrift. In den Vereinigten Staaten lag er seit 1837 bei 20,67 Dollar je Feinunze. Im April 1933 verpflichtete Roosevelt per Dekret alle Bürger, ihr Gold gegen genau diesen Kurs abzuliefern. Neun Monate später hob der Gold Reserve Act den amtlichen Preis auf 35,00 Dollar — die Aufwertung kam also erst, nachdem der Staat das Metall eingesammelt hatte. Privatbesitz von Barrengold blieb danach 41 Jahre verboten, bis Ende 1974.

Ein freier Preis entstand erst im März 1968, als der Londoner Goldpool zusammenbrach: Von da an galten die 35 Dollar nur noch zwischen Notenbanken, daneben bildete sich ein Marktpreis. Im August 1971 endete auch die Einlösepflicht.

Für die Statistik heißt das: Was vor 1968 als Goldrendite erscheint, ist der Abstand zwischen einem eingefrorenen Preis und einer laufenden Inflation — kein Urteil eines Marktes. 71 % dieser Jahrzehnte enden im Minus, und das lag nicht an Gold, sondern an den Preisen im Laden.

Nimmt man nur den freien Markt ab 1968, sieht es anders aus, aber nicht gut: 20 von 48 Jahrzehnten im Minus, 42 %. Der Median liegt bei +2,0 % pro Jahr, bei Aktien bei +8,6 %.

Was ein Jahrzehnt Gold einbringt

Jeder Punkt auf der Linie ist ein vollständiges Jahrzehnt: gekauft im Jahr auf der x-Achse, verkauft zehn Jahre später, Rendite pro Jahr nach Abzug der Inflation. 116 solcher Jahrzehnte liegen zwischen 1900 und heute. Gold liegt in 68 davon im Minus, Aktien in 17.

Gold Aktien — S&P 500 inkl. Dividenden

Der Strich bei 1968 trennt zwei verschiedene Welten. Links davon war der Goldpreis staatlich festgelegt — erst auf 20,67, ab 1934 auf 35 Dollar. Ob ein Jahrzehnt dort im Plus oder im Minus endete, entschied deshalb nicht Gold, sondern die Inflation: 71 % enden im Minus, die Ausnahmen liegen in der Deflation der frühen Dreißiger. Rechts davon, im freien Markt, sind es 20 von 48 Jahrzehnten (42 %). Beide Zahlen stehen in diesem Artikel: 59 % ist die Bilanz von 125 Jahren, 42 % die Zahl, an der man sich heute orientiert.

Gold, Median je Jahrzehnt
−1,4 %
pro Jahr, real. Schlechtestes Jahrzehnt: 1980–1990 mit −8,8 % pro Jahr.
Aktien, Median je Jahrzehnt
+6,5 %
pro Jahr, real. Schlechtestes Jahrzehnt: 1999–2009 mit −4,1 % pro Jahr.

In Crashs: vier Treffer, vier Fehlschläge

Acht Zeiträume, in denen der Aktienmarkt real verloren hat, jeweils vom letzten guten bis zum schlechtesten Jahr. Der obere Balken ist der Aktienmarkt, der untere Gold — beides kumuliert und in Kaufkraft.

Aktien Gold

Der Ruf als sicherer Hafen kommt aus vier Fällen, und zwei davon sind eindrucksvoll: 1972–1974 legte Gold real 131,9 % zu, während Aktien knapp ein Drittel verloren, 2007–2009 waren es 34,4 %. In den anderen vier Fällen fiel Gold mit — 1936–1938, 1968–1970, 1980–1982 und 2021–2022. Der dritte davon ist der eigentliche Einwand: 1980–1982 verlor Gold real 47,5 %, während Aktien nur 4,4 % nachgaben — im Jahresdurchschnitt gerechnet; unterjährig fiel der Aktienmarkt deutlich tiefer und holte es wieder auf. Wer Gold als Versicherung gekauft hatte, verlor am meisten in dem Abschwung, der den Aktien am wenigsten anhaben konnte.

1929–1932 zählt nur eingeschränkt: Der Goldpreis war fixiert, die Preise im Laden fielen um ein Fünftel. Der reale Gewinn von 25,8 % ist reine Deflation, nicht Nachfrage nach Gold. Und weil die Reihe nur Jahresdurchschnitte kennt, fehlt der Oktober 1987 — der Markt hatte ihn innerhalb desselben Jahres wieder aufgeholt.

Gegen Inflation schützt es nicht zuverlässig

Jeder Punkt ist ein Jahr seit 1972, seit der Goldpreis frei ist. Waagerecht die Inflationsrate dieses Jahres, senkrecht die reale Goldrendite. Wenn Gold ein Inflationsschutz wäre, müssten die Punkte von links unten nach rechts oben laufen.

Der Zusammenhang ist vorhanden, aber schwach: Die Korrelation liegt bei 0,29. In den zwölf Jahren mit über 5 % Inflation brachte Gold real im Median +3,4 %, Aktien −2,4 % — in den übrigen 42 Jahren Gold +4,0 % und Aktien +11,4 %. Gold verhält sich in Inflationsjahren also kaum anders als sonst. Was sich ändert, ist die andere Seite.

WelleZeitraumInflationGold realAktien real

Drei Phasen mit erhöhter Inflation, drei verschiedene Antworten. In den Ölkrisen war Gold richtig. In der zweiten Welle um 1990 verlor es real 10,8 % pro Jahr, während Aktien zulegten. Und in der jüngsten Welle stieg Gold zwar deutlich — der Anstieg kam aber 2024 und 2025, nachdem die Inflation ihren Höhepunkt längst überschritten hatte.

Die Rechnung über 125 Jahre

Reale Rendite pro Jahr, jeweils für den ganzen Abschnitt. Die Reihenfolge wechselt je nachdem, wo man anfängt zu zählen — das ist der eigentliche Befund.

ZeitraumGoldAktienInflation

Seit 2000 liegt Gold vorn — 7,6 % gegen 5,3 % pro Jahr. Seit 1980 liegt es weit zurück: 0,7 % gegen 8,6 %. Beide Sätze sind richtig, und wer einen davon allein zitiert, verkauft etwas.

Wofür diese Zahlen blind sind

Alles bis hierher ist amerikanisch. Die Vereinigten Staaten hatten im 20. Jahrhundert keine Hyperinflation, ihre Börse blieb nie jahrelang geschlossen, und Aktienbesitz wurde nie entschädigungslos gestrichen. Es ist die Reihe des Landes, das am besten durch dieses Jahrhundert gekommen ist — und genau deshalb kann sie den Fall nicht zeigen, für den Gold eigentlich da ist.

Wo es anders lief, dreht sich das Bild. In Deutschland war im November 1923 eine Rentenmark eine Billion Papiermark wert; wer sein Vermögen in Geld hielt, hatte keines mehr. In Russland 1917 und in China 1949 wurden die Börsen geschlossen und Aktienbesitz gestrichen — dort half keine Dividende. Gold hängt an keiner Währung, an keinem Register und an keiner funktionierenden Börse. Das ist keine Eigenschaft, die Rendite bringt, sondern eine für den Ausnahmefall — und sie ist echt.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens lässt sich dieser Fall mit keiner Zahlenreihe abschätzen. Wie wahrscheinlich ein Währungsschnitt oder ein Krieg im eigenen Land ist, steht in keiner Tabelle; wer Gold deswegen hält, trifft eine Annahme, keine Rechnung. Zweitens ist Gold gegen den Staat nicht immun — das amerikanische Beispiel von 1933 steht weiter oben: abgeliefert zum amtlichen Preis, aufgewertet wurde erst danach. Und es schützt nur, was man selbst verwahrt; ein Papier auf Gold ist ein Anspruch gegen jemanden, und genau der fällt im Ausnahmefall aus.

Was daraus folgt

Gold ist keine Anlage, die arbeitet. Es zahlt keine Zinsen, keine Dividende, es produziert nichts — es gibt keinen Gewinn, an dem man es messen könnte, nur den nächsten Käufer. Über 125 Jahre kommt dabei gut ein Prozent pro Jahr heraus, und in 59 % der Jahrzehnte nicht einmal das. Das ist der Normalfall, und in ihm gewinnen Aktien deutlich.

Für den zweiten Fall, den Einbruch am Aktienmarkt, ist die Bilanz gemischt: In allen vier Fällen, in denen Aktien real 30 % oder mehr verloren — 1929–1932, 1972–1974, 2000–2002 und 2007–2009 — stand Gold am Ende im Plus, wobei der erste davon nur die Deflation abbildet. In vier anderen Abschwüngen fiel es mit. Und dieser Schutz hat einen Preis: die zwanzig Jahre zwischen 1980 und 2000, in denen Gold real 7,3 % pro Jahr verlor, während Aktien 12,7 % pro Jahr zulegten.

Für den dritten Fall — Währungsschnitt, Enteignung, geschlossene Börse — sprechen die besten Argumente, und dafür gibt es die schlechtesten Zahlen. Wer Gold hält, kauft also keine Rendite, sondern eine Versicherung gegen zwei Dinge, von denen das eine selten und das andere nicht berechenbar ist, und zahlt die Prämie in allen übrigen Jahren. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie groß der Anteil ist und ob man ihn dreißig Jahre durchhält.

Was die Zahlen dagegen nicht hergeben, ist der Satz, den man am häufigsten hört: dass Gold vor Inflation schützt. Gegen normale Inflation tut es das nicht zuverlässig — dafür ist der Zusammenhang zu schwach, und in der Welle um 1990 zeigte er in die falsche Richtung. Das ist etwas anderes als der Zusammenbruch einer Währung, und beides wird gern in einen Topf geworfen.

Grenzen dieser Rechnung. Alle Werte sind Jahresdurchschnitte; kurze Einbrüche wie der Oktober 1987 verschwinden darin. Der Wert für 2025 ist eine Schätzung des USGS aus den Monaten Januar bis November — der Wert für 2024 wurde nachträglich von 2.400 auf 2.388 Dollar korrigiert, eine ähnliche Anpassung ist auch für 2025 möglich. Vor 1968 war der Goldpreis staatlich festgelegt, Renditen aus dieser Zeit sind keine Marktergebnisse. Gerechnet wird ohne Lagerkosten, Spread und Steuern; bei physischem Gold zehren diese an der Rendite, bei Aktien fällt die Steuer auf Dividenden an.

Quellen und Methode

Goldpreis in US-Dollar je Feinunze, Jahresdurchschnitte. Für 1900–1932 und 1934–1967 der gesetzlich festgelegte Preis (20,67 bzw. 35,00 Dollar), ab 1968 die USGS-Reihe. Aktien als S&P-500-Gesamtrendite inklusive wiederangelegter Dividenden. Alle Renditen real, umgerechnet mit dem US-Verbraucherpreisindex, annualisiert über geometrische Mittel. Rollierende Zehnjahresfenster mit Startjahren 1900 bis 2015.

Eigene Berechnung · Stand September 2026 · zuletzt geändert 2026-09-26 · wie hier gerechnet wird

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