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Crashs & Erholung

Wie die Inflation einen Rückgang verdoppelt

Nominal ist 1968 ein mittelmäßiger Rückgang, Platz fünf von zehn. In Kaufkraft gerechnet steht dieselbe Episode auf Platz zwei — hinter 1929 und vor allem anderen.

Tief nominal
−32,9 %
Tief real
−63,7 %
zurück nominal
42 Mon.
zurück real
289 Mon.

In der Aufstellung der zehn Rückgänge seit 1928 steht 1968 im Mittelfeld: −32,9 %, Platz fünf, nach dreieinhalb Jahren erledigt. Zwischen dem Einbruch von 1961 und dem Crash von 1987 fällt er kaum auf.

Rechnet man dieselbe Episode in Kaufkraft statt in Punkten, rutscht sie auf Platz zwei — hinter 1929 und vor 2000. Es ist der tiefste und längste Rückgang der Nachkriegszeit, und man sieht ihn nur, wenn man die Inflation mitrechnet.

Zwischen November 1968 und Dezember 1992 verlor der Dollar rund drei Viertel seiner Kaufkraft. Wer im November 1968 investierte, hatte seinen Kursstand im Mai 1972 zurück; kaufen konnte er sich davon 13,8 % weniger als vorher. Danach wurde es nicht besser, sondern schlechter. Der reale Tiefpunkt lag nicht 1970 und nicht 1974, sondern im Juli 1982 bei −63,7 %, fast vierzehn Jahre nach dem Hoch. Bis die Kaufkraft wieder erreicht war, dauerte es bis Dezember 1992 — 289 Monate, rund 24 Jahre.

Warum das kein Rechentrick ist

Der Einwand liegt nahe: Wer sein Geld nicht ausgibt, merkt von Kaufkraft nichts. Aber genau darauf läuft Anlegen hinaus. Wer mit 40 investiert, um mit 65 davon zu leben, zahlt am Ende Miete und Einkäufe, keine Indexpunkte. Ob das Depot nominal wieder im Plus steht, beruhigt. Was man sich davon kaufen kann, zählt.

Die Jahre nach 1968 zeigen, wie weit beides auseinanderfallen kann. Nominal war die Sache im Mai 1972 erledigt — wer damals auf seinen Depotauszug sah, hielt den Schaden für ausgestanden. Tatsächlich konnte er sich von diesem Geld weniger kaufen als vor dem Rückgang, und es dauerte weitere zwanzig Jahre, bis das nicht mehr stimmte.

1968 ist kein Einzelfall

Der Extremfall ist 1968, der einzige Fall nicht. Bei drei der zehn Rückgänge seit 1928 kostete die Inflation zusätzlich mehr als zehn Prozentpunkte Tiefe: 1968, 1972 und 2000. In allen drei Fällen war der Kurs Jahre vor der Kaufkraft zurück — nach dem Hoch von 2000 lagen zwischen der nominalen Erholung im Mai 2007 und der realen im Februar 2015 fast acht Jahre.

1929 sieht auf den ersten Blick nach dem Gegenbeispiel aus. Damals fielen auch die Preise, und in der Deflation der frühen Dreißiger war der reale Verlust mit −82,7 % tatsächlich kleiner als der nominale mit −86,0 %. Wer Bargeld hielt, wurde dafür belohnt — was ihn in den meisten anderen Jahrzehnten Geld gekostet hätte.

Nur hielt das nicht. Auf die Deflation folgte die Inflation der Kriegs- und Nachkriegsjahre, und am Ende dauerte auch hier der reale Weg zurück länger als der nominale: Der Kurs war 1954 wieder oben, die Kaufkraft erst 1958 — 51 Monate später. Selbst im einzigen Fall, in dem die Preise zeitweise fielen, hat die Geldentwertung am Schluss noch vier Jahre draufgelegt.

Was daraus folgt

Nicht, dass Aktien schlecht sind. Über den ganzen Zeitraum seit 1968 hat der Markt die Inflation weit hinter sich gelassen, und in fünf der zehn Episoden liegen nominale und reale Erholung weniger als acht Monate auseinander.

Sondern: Die Zahl auf dem Depotauszug beantwortet die falsche Frage. Wer seinen Plan daran ausrichtet, wann er nominal wieder bei null ist, misst mit einem Maßstab, der sich selbst verschiebt. Das gilt besonders für Pläne, die auf Erholungszeiten bauen — „historisch dauerte es im Median 33 Monate" ist richtig und trotzdem irreführend, solange die Inflation weiterläuft. Real lag der Median bei 60 Monaten, fast beim Doppelten.

Dasselbe gilt für Bargeld, das nach einem Crash an der Seitenlinie liegt: Die Zahl auf dem Konto bleibt, was sie ist. Was sie kauft, nicht.

Ein Hoch, zwei Antworten

Beide Linien starten im November 1968 am selben Punkt. Die blaue zeigt den Kurs, die rote dasselbe Geld in Kaufkraft. Nach dreieinhalb Jahren ist die blaue wieder oben. Die rote braucht dafür noch einmal zwanzig Jahre.

nominal — der Kurs selbst real — in Kaufkraft von November 1968

Im Mai 1972 stand der Kurs wieder auf dem Stand von 1968 — die Kaufkraft desselben Geldes lag da noch 13,8 % im Minus. Und es wurde danach nicht besser, sondern schlechter: Der reale Tiefpunkt kam erst im Juli 1982, fast vierzehn Jahre nach dem Hoch.

Wie weit die beiden Zahlen auseinanderliegen

Jede Zeile ist ein Rückgang, die beiden Punkte sind seine Tiefe — einmal im Kurs, einmal in Kaufkraft. Je länger der Strich, desto mehr hat die Inflation zusätzlich gekostet. Sortiert nach Abstand.

1929 ist der einzige Fall, in dem der Strich andersherum zeigt. Damals fielen auch die Preise — in der Deflation war der reale Verlust mit −82,7 % kleiner als der nominale mit −86,0 %. Beim Weg zurück drehte sich das wieder um: Der Kurs war 1954 oben, die Kaufkraft erst 1958.

Alle zehn im Vergleich

Tiefe und Erholungsdauer, jeweils nominal und real. Die letzte Spalte zeigt, wie viele Monate länger es dauerte, bis die Kaufkraft zurück war.

ab Hoch Tief nom.Tief realAbstand zurück nom.zurück realDifferenz

Quellen und Methode

  • S&P-500-Monatsschlusskurse, Standard-and-Poor's-Composite-Reihe — shillerdata.com
  • US-Verbraucherpreisindex (CPI-U), Jahresdurchschnitte — www.bls.gov/cpi

Episode ab dem Allzeithoch November 1968; reale Werte mit dem Verbraucherpreisindex auf die Kaufkraft von November 1968 umgerechnet, zwischen den Jahren linear interpoliert; Monatsschlusskurse, ohne Dividenden.

Eigene Berechnung · Stand September 2026 · zuletzt geändert 2026-09-26 · wie hier gerechnet wird

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